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Mateusz Madry >>
Die Szene

Er stammt aus Rosario, der größten Stadt der argentinischen Provinz Santa Fe: Filmemacher und VFX-Fachmann Sebastian Lopez. Mittlerweile besitzt der heute 33-Jährige ein eigenes Motion-Graphics-Studio mit Sitz in Buenos Aires und New York (seine Website: www.ioioma.com). Mit Werbespots verdient er sein Geld, zu seinen Kunden zählen Marktriesen wie Camel und Coca-Cola. Nach Sichtung seines eindrucksvollen Kurzfilms "The Killing Joke" hat D-Movie mal Kontakt zu Lopez aufgenommen und erfahren, wie man sich aus dem Nichts in der Branche etablieren kann - mit Eifer, Ideen und treuen Helfern.

Filmografie (Auszug):

"Hansel & Gretel" (Werbespot)
"Party Doll" (Musikvideo)
"Raise The Dead" (Musikvideo)
"Pink Nightmares" (Musikvideo)

- INTERVIEW -

D-Movie: “Learning by doing” ist dein durchweg gelebtes Motto – wie hat’s angefangen?

Lopez: Ich hab im Alter von 12 Jahren damit begonnen, kleine Horror-Filmchen zu drehen und dafür extra Latex-Masken zu basteln. Seitdem wollte ich nur noch das machen, was mir immer am liebsten war: Filme sehen und selber drehen – letzteres beschränkt sich bis dato auf Kurzfilme, Werbespots und Musikvideos. Ich habe keine Kunsthochschule besucht, ja nicht einmal die richtige Schule abgeschlossen, sondern mir das meiste selbst beigebracht, autodidaktisch mit zahlreichen „Trial and Error“-Projekten. Im Alter von 15 Jahren konnte ich mir meine erste MiniDV-Kamera kaufen und fing an, wild drauf los zu drehen, ohne auch nur eine Idee aufzugeben. Viele der ersten Filmchen waren experimentell, natürlich immer ohne Budget – trotzdem behielt ich stets den Anspruch, meine Werke von Mal zu Mal besser aussehen zu lassen. Um meine Vorstellungen aber komplett zu realisieren, blieb mir nichts anderes übrig, als mich auch in Sachen Digitale Effekte schlau zu machen – eine Kunst für sich, die ich besonders mag.

D-Movie: Wie jeder Filmemacher bist du sicher kein Einzelkämpfer – hast du ein festes Team an Mitarbeitern, oder suchst du Cast und Crew stets projektbezogen aus? Wie viele Leute waren zum Beispiel an der Entstehung des Musikvideos „Party Doll“ beteiligt?

Lopez: Ich habe ein festes Team, das mich bei all meinen Projekten unterstützt – damit kann ich mich sehr glücklich schätzen. Meine Frau ist Cutterin und schneidet alles, was ich drehe. Dann gibt’s noch Jorge, mein Stamm-Kameramann, und einen Haufen Leute, die mir bei der Organisation helfen. Insgesamt sind wir aber eine eher kleine Crew und bei dem „Party Doll“-Clip war nur ein Minimum beteiligt: Die Damen und Herren vor und meine Wenigkeit hinter der Kamera. Wir haben vor einem Greenscreen gedreht und ich habe mich sowohl um die Cam, als auch ums Licht gekümmert. Beim Schnitt hat dann wieder Sabrina, meine Frau, mitgeholfen und ich habe die Animationen und Farbkorrekturen vorgenommen. Eine Zwei-Mann-Postproduktion.

D-Movie: Dein neuster Streich ist ausnahmsweise weder ein Werbespot, noch ein Musikvideo, sondern ein sehr beeindruckend aussehender Kurzfilm namens “The Killing Joke” – war das nur eine Abwechslung, oder liegt darin dein eigentliches Interesse? Willst du dich auf lange Sicht vielleicht gar an Spielfilmlänge trauen?

Lopez: Vielen Dank erstmal! “The Killing Joke” ist entstanden, weil ich schon seit einer Ewigkeit den Wunsch hegte, einen viertelstündigen Suspense-Kurzfilm zu drehen. Inspiriert von 70er-Jahre-Horrorfilmen – eines meiner liebsten Genres – wollte ich eine simple Geschichte mit Action- und Horrorelementen sowie praktisch unsichtbaren digitalen Effekten erzählen. Es ist oft so, dass ich während der Produktion von TV-Werbefilmen weitere Musikvideos und Kurzfilme plane – Projekte, die ich dann in Angriff nehme, wenn gerade mal keine Werbeclips gedreht werden. Soviel Zeit muss sein. Und einen Langfilm will ich natürlich auch irgendwann drehen, sogar möglichst bald.

D-Movie: Eines deiner Musikvideos trägt den Titel “Meat” – ein ziemlich schräger Clip, der menschliche Körper in düsteren Bildern in Szene setzt. Beschreib mal die Dreharbeiten zu diesem Projekt. Waren die Einstellung genau durchgeplant, oder wurde am Set viel improvisiert?

Lopez: Oh ja, “Meat” war ein ziemlich verrücktes Projekt. Es ist tatsächlich so, dass jede einzelne Einstellung genau geplant war – ich wollte genau dieses unangenehme Gefühl heraufbeschwören und einfach mal etwas seeehr Bizarres und auf seltsame Weise Erotisches drehen. Wir haben das Ganze in einem Haus in Buenos Aires gedreht und hatten großes Glück mit dem Casting: Die Leute waren einfach großartig und sich für nichts zu schade, die haben jeden Scheiß mitgemacht. Kameratechnisch haben wir uns von diversen Partyfotos inspirieren lassen. Die bringen immer ein spezielles Licht mit sich: Einzellicht, von der Kamera ausgehend. Wie ein kaltes Kopflicht.

D-Movie: Auf deinem Vimeo-Profil findet sich ein kurzer Beitrag namens “Run”, ein “kleiner Canon-Test”, wie du so schön sagst. Wie wichtig ist dir die DSLR-Technik inzwischen?

Lopez: Ich liebe Kamera und neue Technologien in dieser Richtung abgöttisch! DSLR hat für mich die Art des Filmemachens grundlegend geändert – für mich heute die wichtigste Ausrüstung: Bringt einfach absolute Kinoästhetik, du kannst mit 24 Frames drehen und das Spiel mit Objektiven und Tiefenunschärfen ist genial. Ich habe inzwischen sogar schon TV-Werbespots mit Spiegelreflexkameras von Canon gedreht, also ja, ich bin ein großer Fan von der Technik! Was nicht heißt, dass ich nicht auch die RED oder die Alexa von ARRI zu schätzen weiß. Und was die Zukunft angeht, werde ich mich auch der 3D-Technik sicher nicht verschließen.

D-Movie: Mal ganz allgemein gefragt – was ist es, was dich VFX-Pro am Medium Film besonders reizt?

Lopez: Was mich an Filmen so beeindruckt, ist die Magie mancher Werke, die dir die Möglichkeit geben, völlig absurde Sachen als real zu betrachten. Das ist überhaupt die größte Stärke dieses Mediums: seine Bandbreite an visuellen Universen, die ich selbst – in meinem kleinen Rahmen – gerne ausreize. Die Filme die ich drehe sind natürlich inspiriert von den Filmen, die ich selbst gerne sehe, meist düster und bizarr.

D-Movie: Keine Angst, dass du dich mal an allem satt sehen wirst?

Lopez: Kein bisschen! Vom Reiz des Sichtbaren kann man nicht gelangweilt werden – es gibt einfach immer neue und coole Einfälle. Aber gerade im Zuge dessen, dass bald ein Jedermann die technischen Voraussetzungen zur Verfügung hat, kinoästhetische Filme zu drehen, rückt die Idee wieder in den Mittelpunkt. Die Geschichte kommt an erster Stelle, die visuelle Umsetzung danach. Ich denke wir stehen an der Schwelle zu einer ganz neuen Ära des Filmemachens.

(das Interview wurde geführt von David J. Lensing, Oktober 2011)

THE KILLING JOKE