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Die Filmdose

PIRANHA 3D (2010)

R: Alexandre Aja | D: u.a. Pete Goldfinger, Josh Stolberg | K: John R. Leonetti | ca. 88 Min. | Filmkritik von David J. Lensing
Zuvor erschienen im Schnitt Magazin

FISCH SIEHT ROT

Der französische Haudegen des Splat-Packs schmeißt ne Party. Auf der Gästeliste stehen braungebrannte Surfer, halbnackte Mädels, hunderte Killerfischchen und natürlich Eli Roth, der sich einen spektakulären Leinwand-Tod ja nicht nehmen lässt. Dazu noch literweise Bier und Blut, fertig ist Spring Break á la Aja. Der Horror-Regisseur versucht es nach dem allzu ernsten „Mirrors“ mal mit Humor und verleiht dem „Piranha“-Franchise einen neuen Anstrich, purpurrot und zeitgemäß dreidimensional, was dem Ergebnis nicht gerade zu mehr Tiefe verhilft. Die dritte Dimension dient wieder einmal als Gimmick für einen Film, der sich jeder dramaturgischen Beurteilung entzieht: Hier geht’s um die Schauwerte – und davon liefert Alexandre Aja je nach Geschmack eine ganze Menge oder auch zu viel des Guten.

Von einem Remake des 1978 erschienenen “Piranhas” von Joe Dante kann übrigens kaum die Rede sein - die Gemeinsamkeit dieser Filme beschränkt sich darauf, einen fragwürdigen Mythos aufrecht zu erhalten: Piranhas gehen mit der Aggression tollwütiger Zombies auf Menschenjagd. Kein Grund für Biologen und Tierliebhaber, die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen, denn die sichtbar animierten, prähistorischen Monsterfische in Ajas neustem Schlachtfest ersticken jeden auch nur quasidokumentarischen Ansatz im Keim. Dieser Streifen ist ein Partyfilm durch und durch, ein B-Movie im Gewand einer Hochglanz-Studioproduktion, weshalb man auch nicht von Exploitation reden kann, denn billig ist der Film nicht - wenn auch ausgesprochen explizit. Der Name Aja steht seit “High Tension” immerhin für ultra-brutales Terrorkino, doch selbst davon ist “Piranha 3D” weit entfernt. Nicht, dass es ihm an Brutalität mangeln würde - vielmehr fehlt es dem Spaßprojekt an Terror. Die Schock- und Ekelmomente stehen stets in einem komischen Kontext und werden Fans und Genrefreunde mit willkommener Abwechslung überraschen.

Zum Auftakt liefern die Autoren Josh Stolberg und Pete Goldfinger eine markante Anspielung auf den grundsteinlegenden Klassiker “Jaws”, ohne den es die Piranha-Filme womöglich nie gegeben hätte: Das erste Opfer der neuen Killerfisch-Generation ist ein Angler namens Matt. Kennern wird diese Figur bekannt sein, machte sie doch 35 Jahre früher noch Jagd auf Spielbergs weißen Hai, von dem sich Regisseur Joe Dante und Produzent Roger Corman erst inspirieren ließen. Verkörpert wird der arme Fischer natürlich vom inzwischen sichtlich gealterten Richard Dreyfuss - allerdings wohl zum letzten Mal, denn diesen Flick überlebt Matt nicht. Das gleiche gilt für diverse weitere Protagonisten in “Piranha 3D” angesichts seines beachtlichen Bodycounts. Jetzt könnte man natürlich die berechtigte Frage stellen, ob der Blutzoll denn das Maß aller Dinge ist. “Saw” hat es im Jahr 2004 vorgemacht und den Splatter aus der hintersten Ecke der Videothek in die Pool Position gerückt - seitdem versuchen Filmemacher und Produzenten die wachsende Zielgruppe mit stetig neuen Folter- und Tötungsszenarien zu schocken oder besser: zu begeistern. Wie bei allen Vertretern dieser kontroversen, weil zuweilen geschmacklos brutalen und abartigen Sparte gilt hier: Love it or hate it. Die kurzweilige Klamotte bietet nichts Neues, aber Frisches und für Liebhaber des deftigen Humors auf jeden Fall beste Unterhaltung.

Dem 3D-Faktor sollte man im Übrigen nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Abgesehen von ein paar Spielereien, wie fliegende Bierbecher oder ein Mädel, das direkt in die Kamera kotzt, funktioniert der Streifen in herkömmlichem 2D genauso gut. Zumal der Film erst anschließend konvertiert und nicht direkt - wie der in dieser Hinsicht Maßstäbe setzende “Avatar” - in 3D gedreht wurde, was der optischen Brillanz sichtlich schadet. Was nicht nötig gewesen wäre, aber längst grünes Licht bekommen hat, ist ein Sequel der Neuauflage: Die Autoren tüfteln längst an einem “Piranha 3D 2” - oder wie auch immer der Streifen dann heißen mag.