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Die Filmdose

KARATE KID (1984)

R: John G. Avildsen | D: Robert Mark Kamen | K: James Crabe | ca. 126 Min. | Filmkritik von Wolfgang Becker

NO MERCY FOR BAD REMAKES

Was macht einen Klassiker aus? Natürlich, dass viele Millionen Menschen diesen Film gesehen haben. Doch das alleine reicht nicht aus, sonst wären mittelmäßige Fortsetzungen von erfolgreichen Kassenschlagern und unsinnig teure 3D-Spektakel schon längst in die Liste der Must-See-Meilensteine aufgenommen worden. Zu einem Klassiker gehört mehr. Zum Einen muss der Klassiker eine ganze, wenn nicht sogar mehrere Generationen in ihrem Lebensstil beeinflussen und sogar noch Jahrzehnte später immer wieder zitiert werden. Zum Anderen müssen die Schauspieler eine besondere Verbindung mit ihren Charakteren aufbauen können, so dass man sich unter keinen Umständen andere Schauspieler für diese Rolle vorstellen kann. Was wäre aus Indiana Jones mit Tom Selleck geworden, oder aus Matrix mit Will Smith? Das hat aber auch leider zur Folge, dass Klassiker einen gewissen Fluch auf die spätere Karriere von Schauspielern ausüben und sie in anderen Filmen keinen Fuß mehr fassen können, weil sie einfach viel zu sehr mit ihrer Rolle in einem bestimmten Film zusammen gewachsen sind. Dieses Schicksal wurde auch Ralph Macchio und seinem Film-Meister Pat Morita aus dem Film „Karate Kid“ zuteil.

"Karate Kid" handelt von Daniel LaRusso, der nach Kalifornien ziehen muss, da seine alleinerziehende Mutter dort ein Jobangebot bekommen hat. Daniel findet sich in der neuen Stadt kaum zu Recht und dementsprechend auch kaum Freunde. Zu allem Überfluss gerät er in einen Konflikt mit Johnny Lawrence, nachdem er sich in dessen Ex-Freundin Ali verliebt, was Daniel zum perfekten Mobbingopfer macht und letztendlich in Schlägereien endet. Um sich wehren zu können, beschließt er, sich in den im Ort bekannten Cobra-Kai-Dojo anzumelden, um Karate zu lernen. Zu seinem Entsetzen muss er aber feststellen, dass der Starschüler dieses Dojos ausgerechnet sein neuer Erzfeind ist. Bei einer erneuten Schlägerei springt der schrullige Hausmeister Mr. Miyagi ein und verdrischt kurzerhand Johnny und seine Freunde. Begeistert von Mr. Miyagis Karate-Fähigkeiten, bittet Daniel ihn, sein Schüler werden zu dürfen. Dieser lehnt ab, verspricht ihm aber, mit ihm zum Cobra-Kai-Dojo zu gehen um die Streitereien zu beseitigen. Der Dojo-Leiter lehnt zwar ab, Daniel aufzunehmen, bietet aber an, den Konflikt bei dem jährlichen Karate-Turnier zu lösen. Nun also wird Daniel von Mr. Miyagi unterrichtet – doch stellt sich dieser Unterricht anders heraus, als Daniel erwartet hat.

Was macht also "Karate Kid" zum Klassiker? Auf der einen Seite wird beim Schauen klar, warum man immer wieder gerne Filme aus den 80ern sieht: Der Film sprüht vor Charme und Witz, unterlegt mit einem stimmigen Soundtrack, und auch wenn das Ende mehr als vorhersehbar ist, so lebt „Karate Kid“ von der leichten Selbstironie und der perfekten Harmonie zwischen Macchio und Morita. Vor allem Letzterer ist brillant in der Verwirklichung seiner Rolle als nicht ganz typischer asiatischer Martial-Arts-Lehrer, was vor allem dann witzig ist, wenn man weiß, dass Morita weder Karate noch Japanisch konnte, als er für die Rolle ausgewählt wurde. Seine Sprüche wie „Auftragen, polieren“ („Wax on, wax off“) sind längst in die Filmgeschichte eingegangen und werden immer wieder gerne zitiert, wenn es darum geht, jemandem etwas durch eine eher untypische Methode beizubringen. „Karate Kid“ braucht keine aufwendig einstudierten Kampfchoreographien oder Special Effects am Drahtseil, denn in diesem Film geht es nicht um Karate an sich. Vielmehr geht es um zwei Menschen, die sich finden und einander ergänzen. Wir haben einmal Daniel, der keinen Vater hat und dann haben wir Mr. Miyagi, der seine Frau und Kind verlor, während er im zweiten Weltkrieg für die USA kämpfte. Neben dieser Ersatz-Vater-Sohn-Beziehung geht es in „Karate Kid“ vor allem aber darum, dass Karate mehr ist, als nur das Verprügeln Anderer, sondern eine gewisse Balance im Leben schaffen soll, bei der man lieber einem gewaltigen Konflikt aus dem Weg geht, als ihn ständig herauf zu beschwören. Allein die Szene, bei der Mr. Miyagi durch ein einfaches Handauflegen eine Beinverletzung von Daniel kuriert, von der er erst glaubt, sie hindere ihn am weiteren Teilnehmen des Turniers und er anschließend auch noch die Kranich-Technik im Finale anwendet, macht beim Zusehen einfach Spaß und genau das ist es, was „Karate Kid“ aus- und letztendlich zum Klassiker macht.

P.S.: Ein Film ohne Pat Morita, bei dem der Hauptdarsteller nur deswegen für die Rolle ausgewählt wurde, weil er der Sohn von Will Smith ist und vor allem Kung Fu statt Karate lernt, darf sich niemals „Karate Kid“ nennen, geschweige denn als Remake jenes Films durchgehen.