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Die Filmdose

AMERICAN BEAUTY

R: Sam Mendes | D: Alan Ball | K: Conrad L. Hall | ca. 117 Min. | Filmkritik von David J. Lensing

DAS DUMME, KLEINE LEBEN

Es gibt ein paar Filmfiguren, deren Bekanntschaft man gemacht haben sollte. Dazu gehören unter anderem ein rassistischer alter Sack namens Walt Kowalski, der sadistische SS-Standartenführer Hans Landa und ein frustrierter Mittvierziger, der sich allmorgendlich unter der Dusche einen runterholt und das den Höhepunkt seines Tages nennt. Nicht gerade die heiligen drei Könige, aber jeder für sich ein Charakter mit Tiefe und Unterhaltungswert. Sogar besagter Mittvierziger: Sein Name ist Lester Burnham. Und in weniger als einem Jahr wird er tot sein. Mit dieser Info aus dem Off begrüßt er seine Zuschauer zu Beginn von „American Beauty“, um in den folgenden 117 Minuten dafür zu sorgen, sich für sein Publikum unsterblich zu machen – als rebellischer Held im Kampf gegen die Midlife Crisis.

Der Grund ist die Unzufriedenheit über seinen beschissenen Job, die lieblose Ehe und das kaputte Verhältnis zur eigenen Tochter. Der Auslöser ist deren Freundin Angela, die er bei einer Schulveranstaltung kennen lernt. Als Cheerleaderin. Ihre heiße Performance liefert reichlich Zündstoff für feuchte Träume und eine grundlegende Selbst-Restauration. Diese hat Regisseur Sam Mendes, der bis dato überwiegend beim Theater arbeitete, derart grandios in Szene gesetzt, dass er und der Drehbuchautor Alan Ball (der die Ideen zu den Serien „Six Feet Under“ und „True Blood“ lieferte – ein kreatives Köpfchen) praktisch von heute auf morgen berühmt wurden. Nicht zuletzt fünf Oscars haben dazu beigetragen. Wer das amerikanische Vorstadtleben als Fassade für tiefgründige psychische Probleme dank der Serie „Desperate Housewives“ für breitgetreten und ausgelutscht hält, sollte einen Blick riskieren und sich davon überzeugen lassen, dass die Kopie zwar nicht schlecht, das Original aber doch um Längen genialer ist: „American Beauty“ lebt neben einem Haufen verschrobener Figuren (die fast nie oberflächlich geraten) von Dialogen, die es in sich haben. Lesters Gespräch mit seinem neuen Boss zum Beispiel, das sich von einer Quasi-Kündigung zu einer Erpressung entwickelt, oder jeder Streit zwischen den Eheleuten Burnham sprühen nur so vor Schlagfertigkeit und einer aberwitzigen Authentizität: Von den Problemen, die jeder kennt, zu deren Parodie und wieder zurück.

Dieser Film kann weh tun, wenn sich der Zuschauer dabei ertappt, selbst in einer solchen Pseudo-Idylle zu leben und sich damit arrangiert zu haben, anstatt wie Lester den Schritt zurück zu wagen – denn ein Coming-Of-Age-Movie funktioniert in beide Richtungen. Der Held känzelt seinen Job für eine Anstellung als Frikadellenwender bei einer Fast-Food-Kette, er verpulvert seine erpresste Abfindung für den Sportwagen, den er sich schon immer wünschte und will zu seiner jugendlichen Fitness zurückfinden, um dem anderen Geschlecht zu gefallen. Dabei hält der Film stets die Balance zwischen Srewball-Komödie und Drama. Am Ende fühlt sich der Film an wie eine Erkenntnis, wie eine spannende Erfahrung, zu der man nach einem Gefühlsdusel aus schwarzhumorigen Sarkasmen und nostalgischer Rührseligkeit gekommen ist. Ein Must-See!